Essen für die Kinder von Cartagena de Indias

Der persönliche Kontakt von OeH-Mitglied Harald Fertig führte dazu, dass Officium et Humanitas e.V. dem Kinderzentrum eines kolumbianischen Armutsviertels eine neue Essküche finanzierte.

Im Elendsviertel La Boquilla bietet das Boca Azul Kinderzentrum Essen, soziale Betreuung und eine Bibliothek mit Internetzugängen.
Im Elendsviertel La Boquilla bietet das Boca Azul Kinderzentrum Essen, soziale Betreuung und eine Bibliothek mit Internetzugängen.

Die Stiftung Casa Italia in Cartagena in Kolumbien betreibt im Rahmen des Projekts Boca Azul seit dem Jahr 2000 ein Zentrum mit Essküche, in dem täglich über 100 Kinder mit einer Hauptmahlzeit versorgt werden. Mit der Essküche und einer Fortbildungsmöglichkeit sollen der Ernährungszustand und das schulische Leistungsvermögen der Kinder aus Familien, die unter der Armutsgrenze leben, verbessert werden. Gleichzeitig mit der Essensversorgung erhalten die Kinder und deren Eltern eine psycho-soziale Betreuung durch einen Familientherapeuten, um sie in Familiengesundheit, Drogenvorbeugung, frühen Schwangerschaften sowie Konflikten zwischen Familienangehörigen zu beraten. Ein weiteres Ziel der Beratung ist die Stärkung des Familienzusammenhalts.

Neben der Essküche und der sozialen Betreuung bietet das Zentrum des Projekts Boca Azul weitere wichtige Einrichtungen, wie zum Beispiel eine Kleinkindertagesstätte, eine Bibliothek mit Lehrmaterial, ein Computerraum mit Internetzugang, einige Spielbereiche und eine noch notdürftige Krankenstation.

Harald Fertig, ein Mitglied von Officium et Humanitas e.V., kam das erste Mal 2001 mit Casa Italia Kontakt. Es war an einem tropisch heißen Sonntagmittag,  Harald erinnert sich daran, als wäre es gestern gewesen, als er nach einem langen Irrlauf durch die Slums unweit des karibischen Meeres im Elendsviertel La Boquilla in Cartagena de Indias um die Ecke bog und dort auf eine kreischende Menge von vielen hungrigen Kindern stieß, die im Beisein von „Pino“, ihr Mittagessen verschlangen.

Harald war auf Einladung eines anderen Touristen zum Besuch des Kinderzentrums in dem Elendsviertel la Boquilla in Cartagena aufgebrochen, das sich damals noch in einem sehr rudimentären Zustand befand. Ein Blechdach, ein großer Gasherd, ein Waschbecken, zwei Kühlschränke, ein paar Bänke, ein paar Plastikteller mit Besteck und viel Essen für die immer hungrigen Mäuler, die sieben Tage in der Woche und 52 Wochen im Jahr dort eine warme Mahlzeit bekamen. Pinos Fürsorge zu erleben war für Harald beeindruckend, da die Kinder in den kolumbianischen Elendsvierteln sonst meist allein gelassen werden.
Über die Jahre nach seiner Rückkehr nach Deutschland, nach seinem ersten Aufenthalt in Kolumbien, ließen diese Erinnerungen an die in extremer Armut lebenden Kindern und Pinos Unterstützung Harald nicht mehr los. Im Jahr 2006 kehrte Harald nach Kolumbien zurück mit dem Wunsch, die Situation der Kinder zu verbessern. Um nun gezielt helfen zu können, analysierten er und Pino, wie man die Rahmenbedingungen für die Betreuung der dort lebenden Kinder am wirkungsvollsten sicherstellen könnte. Es stand bald fest, dass aufgrund der schlechten hygienischen und baulichen Situation im Kinderzentrum ein erster Eingriff zur Verbesserung der Umstände getätigt werden musste. Daher entschlossen sich Harald und Pino, OeH ein Projekt zur Verbesserung der Infrastruktur zu präsentieren. Die OeH-Mitglieder stimmten dem Vorschlag zu und segneten außerdem die Co-Finanzierung des Baus eines neuen Koch- und Essensbereichs ab. Im April 2006 wurde der erste Teil der Finanzierung von OeH nach Kolumbien überwiesen. Der zweite Teil folgte im selben Jahr und ein eine weitere Spende erreichte Casa Italia im Jahre 2007.
Die Spenden wurden von Pino und den anderen Förderern von Casa Italia und Boca Azul mit großer Freude und großem Dank entgegengenommen, da bis zu diesem Zeitpunkt das Projekt hauptsächlich von privaten Spenden von Pino und aus seinem Freundeskreis in Italien finanziert wurde. Nach Eingang der Gelder im April 2006 wurde zügig mit den Bauarbeiten begonnen, die sich, wie so oft in Lateinamerika, über Monate hinzogen. Im Jahr 2007 wurden schließlich der Speisesaal sowie die neue Küche eingeweiht. Seitdem erhalten Kinder eine warme Mahlzeit in wesentlich verbesserten räumlichen und hygienischen Verhältnissen.
Dank einer Zusammenarbeit zwischen Harald Fertig und Förderin Johanna Diekmann konnte im Oktober 2009 das Projekt weiter gefördert werden. Innerhalb von zwei Wochen wurden die Bedürfnisse vor Ort erfasst, an OeH weitergeleitet, dort im Rahmen einer Mitgliederversammlung diskutiert und bewilligt. Mit dem Geld wurden dann umgehend notwendige Geräte angeschafft, Alte ersetzt und der Spielbereich der Kinder (Schaukeln, Klettergerüst) kindgerecht umgebaut. Durch die unmittelbare  Kontrolle vor Ort, dem Informationsaustausch und der Zusammenarbeit zwischen Harald und Johanna konnten die derzeitigen Umstände in dem Kinderzentrum effektiv verbessert werden. Des Weiteren konnte aufgrund der Präsenz von einigen Freiwilligen nicht nur die Essensausgabe sichergestellt, sondern ein Freizeit- und Lehrangebot entwickelt werden. Durch die Mitarbeit der Freiwilligen werden derzeit bis zu 50 Schüler nach dem Mittagessen betreut und dem schulischen Lehrplan entsprechend in den Bereichen Lesen, Schreiben, Mathematik und Geografie unterrichtet. Die Unterstützung durch Freiwillige auch in der Zukunft ist maßgebend dafür, ob und in welchem Maß ein solches notwendiges Zusatzprogramm fortgeführt werden kann. Dieses Projekt ist ein weiteres Beispiel dafür, wie zielgerichtet, wirkungsvoll und auch schnell OeH notwendige Hilfsleistungen umsetzen kann.

Im Comedor (Speisesaal) des Zentrums werden täglich über 100 Kinder mit Essen versorgt.
Im Comedor (Speisesaal) des Zentrums werden täglich über 100 Kinder mit Essen versorgt.