Eine gute Zusammenarbeit

In Kooperation mit der Heidelberger Druckmaschinen AG und dem Rotary Club Düsseldorf lieferte OeH eine gebrauchte Druckmaschine nach Bucaramanga.

Über die persönliche Beziehung eines Vereinsmitgliedes zu Professor Dr. Hartwig Weber von der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg kam im Jahr 2000 ein Kontakt von Officium et Humanitas e.V. zu der Hilfsorganisation "Paz y Cooperación" und ihrem Leiter Pater Manolo zustande. Konkreter Bedarf bestand damals in der Anschaffung einer Druckmaschine, um eine Ausbildungsstätte für Straßenkinder in Bucaramanga im Zentrum Kolumbiens aufbauen zu können. Durch die Arbeit an der Druckmaschine sollten die Kinder eine handwerkliche Ausbildung und damit die Chance auf eine nachhaltige wirtschaftliche Grundlage für ihr weiteres Leben erhalten.

Ebenfalls über Professor Weber wurde ein Kontakt zwischen OeH und der Heidelberger Druckmaschinen AG hergestellt. In einem ersten Gespräch mit dem damaligen Leiter der Entwicklungsabteilung, der auch für soziale Projekte innerhalb der Firma zuständig war, sowie dem für Südamerika zuständigen Abteilungsleiter erfuhren wir von der Möglichkeit, dort aus dem Bestand gebrauchter Druckmaschinen eine für dieses Straßenkinderprojekt geeignete Maschine erhalten zu können. Ein entsprechend nachhaltiges Engagement von Seiten eines karitativen Vereins wie OeH mit einem Spendenvolumen im Bereich von 40.000 Euro vorausgesetzt, zeigte die Firma auch die Bereitschaft, uns dann beim Preis für den Erwerb dieser Maschine entgegen zu kommen. In Aussicht gestellt wurde daneben eine längerfristige Unterstützung des Projekts durch Heidelberger Druck in Form des Maschinentransportes von Deutschland nach Kolumbien mit Übernahme sämtlicher Transportkosten und Zollformalitäten, einer vorherigen Generalüberholung der Maschine im Werk der Firma in Wiesloch sowie der Installierung vor Ort in Bucaramanga. Daneben würde die Maschine regelmäßig von der kolumbianischen Niederlassung von Heidelberger Druck in Bogota kostenlos gewartet werden. Schließlich sicherten uns unsere Gesprächspartner allesamt ihre persönliche Unterstützung bei der weiteren Planung und Durchführung zu.

Weichenstellung im Verein

Stolz nimmt OeH-Mitglied Christian Seilnacht (links) im Frühjahr 2002 die Druckmaschine von dem Projektpartner der Heidelberger Druckmaschinen AG in Empfang.
Stolz nimmt OeH-Mitglied Christian Seilnacht (links) im Frühjahr 2002 die Druckmaschine von dem Projektpartner der Heidelberger Druckmaschinen AG in Empfang.

Nach diesem sehr konstruktiven Zusammentreffen waren sowohl Spannung als auch eine große Begeisterung unter den Mitgliedern der Projektgruppe deutlich spürbar. Es war von Beginn an klar, dass dieses Projekt, sollten wir uns zu einer entsprechenden Beteiligung entschließen, für unseren damals noch kleinen und sehr jungen Verein eine außerordentlich große Herausforderung darstellen würde. Hierbei war das Aufbringen der von Heidelberger Druck genannten Spendensumme – damals noch weitgehend ohne bestehende Netzwerkstrukturen – sicherlich das Hauptproblem. Gleichzeitig sahen wir aber auch die vielen Möglichkeiten der Weiterentwicklung für den Verein, die sich uns bei diesem Projekt boten.
Entsprechend engagiert und kontrovers wurde dieses Thema einige Wochen später auf der nächsten Mitgliederversammlung in Heidelberg diskutiert. Die Projektgruppe hatte sich zuvor entschieden, einen Antrag auf eine Projektbeteiligung durch OeH einzubringen. Hierbei traten auch die unterschiedlichen Ansichten der damaligen Mitglieder über die weitere Entwicklung und Zukunft des Vereins zutage. So sahen einige der Gründungsmitglieder die Vereinsidee am ehesten in einem kleinen oder zumindest überschaubaren Kreis von Freunden verwirklicht, der gemeinsam Gutes tut und Spaß dabei hat und seine Kontakte und Bindungen untereinander pflegt. Für diese war ein Projekt dieser Größenordnung und Ambition einige Nummern zu groß. Die Mehrheit ließ sich jedoch von der Begeisterung der Projektgruppe sowie den unterschiedlichen Perspektiven, die sich anhand eines solchen Projektes für das Wachstum und die Weiterentwicklung des Vereins boten, anstecken und überzeugen.
Nachdem wir Heidelberger Druck sowie Professor Weber mit großer Freude unsere Bereitschaft zur Übernahme dieses Projektes mitgeteilt hatten, betraten wir in vielfacher Hinsicht Neuland. Ein Großteil der Vereinsmitglieder bemühte sich darum, Sponsoren zu finden bzw. Spenden aufzutreiben oder Spendenaktionen durchzuführen. Hieraus entstanden im Laufe des Projekts die Anfänge der „OeH-Weihnachtsbriefaktion“ sowie der Aufbau eines Netzwerkes mit Kontakten zu Sponsoren unterschiedlichster Kategorien sowie anderen gemeinnützig tätigen Organisationen im In- und Ausland. Für das letztendliche Gelingen dieses Projektes entscheidend wurde der Kontakt zum Rotary Club Düsseldorf, der durch die Bemühungen von OeH-Mitglied Josef Kreiterling zustande kam. Infolge des starken persönlichen Engagements des Rotary-Mitglieds Dr. Vogel übernahm dieser Rotary Club die Unterstützung der Anschaffung der Druckmaschine als eigenes Projekt, wodurch im Ergebnis eine zusätzliche Unterstützung des Gesamtprojektes durch die Dachorganisation der Rotarier erreicht werden konnte.
Eine weitere Aufgabe übernahmen die Projektverantwortlichen Matthias Buck und Christian Seilnacht mit der Koordination der unterschiedlichen Ansprechpartner und Kontakte im Rahmen dieses Projektes, insbesondere der Zusammenarbeit mit Heidelberger Druck, Professor Weber und dem Rotary Club Düsseldorf als Hauptsponsor. Hierbei machten wir die erstaunliche Erfahrung, was allein mithilfe von Telefon, Fax und Email mit Personen erreicht werden kann, für die man soeben noch als Person und Verein vollkommen unbekannt war. Außerdem sammelten wir wertvolle Erfahrungen beim Ausfüllen von Anträgen und Formularen für Spenden bei unterschiedlichen Behörden und staatlichen wie privaten Institutionen.
Nach längeren, aber immer zielgerichteten Verhandlungen mit Heidelberger Druck fanden wir schließlich eine geeignete Druckmaschine, die sowohl von ihrem Zustand und ihren Funktionen als auch im Hinblick auf die Preisvorstellungen der Heidelberger Druck unseren Anforderungen entsprach. Zudem konnten wir Heidelberger Druck davon überzeugen, die Maschine für knapp die Hälfte des verbliebenen Restwerts von 60.000 Euro zur Verfügung zu stellen, sie vorab noch einmal komplett zu überholen, den Transport nach Kolumbien zu organisieren sowie durch ihre kolumbianische Filiale vor Ort aufzubauen und eine regelmäßige Wartung sicherzustellen.

Erfolgreicher Abschluss

Als wir dann über den Rotary Club Düsseldorf die Zusage einer Spende von circa 25.000 Euro erhielten, waren die Weichen endgültig auf Erfolg gestellt. Die restlichen ca. 7.000 Euro hatten wir mittlerweile durch viele kleinere Spenden und Spendenaktionen gesammelt, unter anderem durch eine OeH-Party in einem Heidelberger Studentenwohnheim. Unsere Druckmaschine war mittlerweile von Heidelberger Druck instandgesetzt worden. Wir durften sie anlässlich einer Werksbesichtigung in Wiesloch direkt in Augenschein nehmen, wobei neben dem tadellosen Zustand der Maschine auch die an der Maschine angebrachte Plakette unsere Begeisterung auf sich zog, die unseren Verein als Sponsor der Maschine auswies. Nachdem wir das eingesammelte Geld überwiesen hatten, konnte die Einschiffung der Maschine nach Kolumbien zügig erfolgen, so dass die Maschine einige Monate später tatsächlich in Kolumbien an ihrem Bestimmungsort in Bucaramanga aufgebaut und in Betrieb genommen werden konnte. Wie wir uns einige Zeit später selbst überzeugen konnten, erfüllte die Maschine auch vor Ort die in sie gesetzten Erwartungen und Hoffnungen (s. S. 38 „OeH vor Ort“). Dies traf auch bezüglich ihrer Widerstandsfähigkeit im Hinblick auf die in Kolumbien herrschenden klimatischen Bedingungen sowie die örtlichen Gegebenheiten zu.

Gekrönt wurde das Projekt aus Sicht von OeH durch eine bis heute andauernde vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Professor Weber auch im Rahmen anderweitiger Projekte in Kolumbien sowie der auch nach Jahren noch bestehenden Bereitschaft der Heidelberger Druck, uns und das Straßenkinderprojekt „Niños de Papel“ beim Kauf von Ersatzteilen für die Druckmaschine vor Ort zu unterstützen.