Gegen Hoffnungslosigkeit

In Bulgarien hat sich OeH vier Jahre lang für die Kinder des Kinder- und Jugendheims „Königin Maria Luisa“ eingesetzt.

Bewohner des Jugendheims „Königin Maria Luisa“.
Bewohner des Jugendheims „Königin Maria Luisa“.

Bulgarien weist den höchsten Anteil Europas betreuungsbedürftiger Kinder in staatlichen oder kommunalen Einrichtungen aus. Der  staatliche Finanzierungsbeitrag hat sich seit 1989 real mehr als halbiert. Die Bausubstanz der Heime ist marode. Die Budgets decken nicht einmal die Ernährung. Die hygienischen Bedingungen sind zum Teil unbeschreiblich, kontinuierliche Gesundheitsvorsorge scheitert am Geldmangel.

Pädagogische Arbeit findet kaum noch statt, psychologische Betreuung ist nicht vorgesehen. Die Chancen auf Berufsausbildung sind gleich Null, die Gefahr des Abrutschens in Kriminalität und Prostitution ist real. Obwohl laut vorgeschriebenem Betreuungsschlüssel ein Erzieher rund 22 Kinder betreuen soll, steht in vielen Heimen, insbesondere in den ländlichen Regionen, nur ein Betreuer für bis zu 60 Kinder zur Verfügung.

Dazu kommt eine inadäquate Ausstattung der Kinderheime. Das Mobiliar hat Sperrmüllcharakter, viele Kinder haben nicht einmal ein eigenes Bett. Die Folge ist eine die Psyche der Kinder zusätzlich belastende Atmosphäre der Trost- und Hoffnungslosigkeit.

Bessere Verhältnisse

Aufgrund eines persönlichen Kontakts eines OeH-Mitglieds wurde seit Herbst 2003 bis Ende 2007 das Kinder- und Jugendheim „Königin Maria Luisa“ mit 96 Halb- und Vollwaisen im bulgarischen Plovdiv von uns unterstützt. In Zusammenarbeit mit dem Verein zur Förderung bulgarischer Kinderheime e.V. (VzBfK), der das Heim schon seit 1999 fördert, wurden die Lebensverhältnisse in diesem Waisenhaus von Grund auf erneuert:

  • Durch Sanierung der baulichen Infrastruktur schafft das Projekt Mindestvoraussetzungen für ein kindgerechtes Wohnumfeld;
  • Durch Qualifizierung und Weiterbildung des Erziehungspersonals wird eine dem traumatischen Lebenshintergrund der Kinder und den daraus folgenden psychologischen Anforderungen angemessene Betreuung sichergestellt;
  • Durch selbsttragende Berufsausbildungsangebote erhöht es die Zukunftschancen der Kinder, schafft zugleich Arbeitsplätze sowie Möglichkeiten zur Aufstockung des unzureichenden Heimbudgets.

Im Kinderheim „Königin Maria Luisa“ wurden anstelle der veralteten Infrastruktur schrittweise drei, miteinander in U-Form verbundene Wohnflügel für je 40 Kinder sowie ein Bildungszentrum mit Berufsausbildungsprojekten, Seminar-, Therapie- und Verwaltungsräumen gebaut. Der Neubau ist auf pädagogische Bedürfnisse und psychologische Notwendigkeiten für die Therapie traumatisierter Kinder abgestimmt, die erstmalig unter familienähnlichen Bedingungen leben werden. Mit Übergabe des Bildungszentrums konnten selbsttragende Berufsausbildungen zum Bäcker, Konditor, Koch, Kfz-Mechaniker und Elektriker, Friseur oder Kosmetikerin angeboten werden.
Eine bemühte Kommunalverwaltung, Privatisierungsvorhaben in der regionalen Wirtschaft sowie das Vorhandensein einer pädagogischen Hochschule und zentraler Berufsausbildungszentren, zum Beispiel des Friseurhandwerks, stellen positive Faktoren im Umfeld des Heims dar.
OeH hat sich im genannten Zeitraum mit insgesamt 17.100 Euro an der Sanierung der maroden Infrastruktur des Heims und an der Qualifizierung des Erziehungspersonals in enger Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) beteiligt.
Nach wie vor pflegen wir enge Kontakte zum Verein zur Förderung bulgarischer Kinderheime (VzFbK), der mit weiteren Vereinen Kooperationsverträge geschlossen hat, um eine Ausweitung des ursprünglichen Projekts auf weitere Heime zu erreichen.
In Konsequenz aus zahlreichen bekannt gewordenen Fällen des Spendenmissbrauchs (auch durch öffentliche bulgarische Stiftungen) wurde unter Teilnahme aller Partner des Netzwerks ein Vertrag zur Investitions- und Spendensicherung mit der bulgarischen Regierung geschlossen. Er garantiert Nachhaltigkeit, bietet ein Höchstmaß an Sicherheit für Spender und Sponsoren. Der Vertrag gewährleistet eine Mindestnutzung der Gebäude als Waisenhaus auf 20 Jahre und verpflichtet die bulgarische Regierung zur Rückzahlung der belegten Gesamtinvestition einschließlich des Geldwertes der beim Bau und zur Inneneinrichtung eingesetzten Sachspenden im Falle der Nichteinhaltung.